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Für die Begehung der beschriebenen Routen ist eine gute physische wie psychische Konstitution des Berggängers absolut unerlässlich! Den Autor dieser Website erreichen immer wieder Beschwerden, die sich mit den beschriebenen Routen überfordert sahen, daher: Diese Website beschreibt keine Wanderungen, sondern alpine Unternehmungen für erfahrene Personen! Weder befähigt die erfolgreiche Besteigung eines Viertausenders noch das Begehen des Trekking del 700° oder gar der Strada Alta zum Begehen manch vorgestellter Route. In den Routen der obersten Schwierigskeitsgrade der T-Skala finden sich nur Leute zurecht, die jede Art von Gelände beherrschen und äusserst trittsicher sind. Es sind dies die letzten Orte, wo nur der echte Berggänger die vorgesehene Tour zu Ende führen wird. Es reicht nicht aus, Alpinist zu sein und offensichtliche Routen begangen zu haben, um die teilweise enormen Schwierigkeiten jeder Art in Angriff nehmen zu können. So manche Route ist auf dieser Website beschrieben, ohne dass ihre Begehung empfohlen werden kann, dies wegen des besonderen Geländes. (nach Maurice Brandt) - Alle Angaben auf dieser Website beruhen auf persönlicher Begehung der beschriebenen Routen und wurden in jahrelanger Arbeit sorgfältig recherchiert und bei Bedarf aktualisiert. Es handelt sich jedoch um unverbindliche Ratschläge und Empfehlungen, für deren Richtigkeit keinerlei Haftung übernommen wird.

Pian Forno
Die Ruine von Pian Forno im Val d'Ambra
Foto: Manuel Haas

- Auszug aus dem SAC-Clubführer (Ergänzungen), Tessiner Alpen von Giuseppe Brenna -

Tessiner Bergwege

Jedes Jahr müssen die Tessiner Rettungskolonnen aufgeboten werden, um Touristen zu bergen, die sich in den Tessiner Tälern verirrt haben. Eine Analyse der Situation drängt sich deshalb geradezu auf. Beginnen wir mit dem Ursprung der Wege:
  1. Einst (seither sind Jahrzehnte vergangen) wurden die Tessiner Berge von den Bauern bis in den Bereich des entferntesten, ertragsärmsten, grasbedeckten Quadratmeters genutzt. Wege gab es viele und sie waren in gutem Zustand.
  2. Bergwege sind (auch wenn sie meisterhaft geplant und in harter, fantasievoller Arbeit in Brücken und Steintreppen angelegt wurden) der Lawinen, Rutschungen und Überschwemmungen wegen einem steten Zerfall unterworfen. Viel begangene Wege werden mit gezielten, auch kostspieligen Arbeitseinsätzen ausgebessert und unterhalten.
  3. Wenig begangene Wege zeichnen sich im Gelände mit einer nur schwachen Spur ab. Sie sind dort gut, wo die vielen Begehungen von Mensch und Tier in vergangenen Zeiten einen Graben hinterlassen haben; mässig gut in gewissen Wäldern, wo das Wasser und die Rutschungen ihr zerstörerisches Werk noch nicht vollenden konnten. Die Wegspur wird dort schlecht oder überhaupt nicht mehr sichtbar sein, wo eine üppige Vegetation (Gras, Farnkraut, Buschwerk etc.) vorherrscht, besonders auch auf ehemaligen, noch nicht vom Wald in Besitz genommenen Weiden. Um hier die Route nicht zu verlieren, ist grosse Vorsicht und aufmerksames Beobachten des Geländes vonnöten.
  4. In gewissen, kargen Tälern, in die sich nur vereinzelte Ortskundige (Jäger oder andere Menschen, die das Abenteuer suchen) "verirren", sind die Wege vollends verschwunden. Die Ränder der Wege sind eingebrochen und die Wegspuren von Trümmern jeder Art übersät. Geblieben sind da und dort ein Mäuerchen, eine Stiege, in den Fels gehauene Tritte oder ein Drahtseil, das den Älplern den Durchgang erleichterte.
Nachfolgend das Wesentliche, dessen sich der Bergsteiger voll bewusst sein muss, wenn er das Gebiet der Tessiner Alpen betritt:
  1. Die Hütten und leicht erreichbare Ziele, auf welche im Gelände mit den bekannten Wegweisern hingewiesen wird, sind in der Regel durch ausgeprägte Naturwege erschlossen.
  2. Anderenorts sind die Wege - auch wenn sie auf der Landeskarte eingezeichnet sind - nicht immer gut erkennbar und unter Umständen in schlechtem Zustand. Des hohen Grases wegen ist im Sommer die Beschaffenheit dieser Pfade noch schlechter. In solche Gebiete begebe sich nur, wer erfahrener Bergwanderer ist; auch er eventuell in Begleitung und selbstverständlich mit angepasster Ausrüstung, darunter Landeskarte, Kompass und Höhenmesser. Dabei ist mit zeitweisem Abkommen vom Weg zu rechnen. Dies bedingt, dass der Bergwanderer sich in solchen Situationen zurechtzufinden weiss und innerlich bereit ist, auf der Suche nach dem Weg wieder kehrtzumachen, auch wenn daraus ein Höhenverlust von Hunderten von Metern entstünde. Wichtig: Sofern man den Weg verloren hat, auf keinen Fall in Panik geraten und nicht darauf beharren, in Richtung offensichtlich unwegsamer, auswegloser Örtlichkeiten und ohne geringste Pfadspuren weiterzugehen, dies besonders im Abstieg nicht. Jeder Bergwanderer soll im weitern fähig sein, die Landeskarte 1:25000 (ein topographisches Meisterwerk) zu lesen und ihr Bild in die Wirklichkeit umzusetzen. Die geschilderte Situation bezüglich der Bergwege ist entstanden, weil die Bergbevölkerung seit Jahrzehnten auf die Nutzung der Berghänge verzichtet und weil gewisse, weniger bekannte Routen nur noch selten begangen werden. Wer die fantastische Welt der Tessiner Berge (insbesondere des untern und mittleren Tessins) erleben will, muss sich damit abfinden.
  3. In gewissen, vergessen gegangenen Tälern finden sich praktisch keine Wege mehr, höchstens vielleicht Reste alter Weganlagen, Steintreppen usw. Das Bundesamt für Landestopographie verzichtet in diesen Fällen auf die Eintragung von Wegen auf der Landeskarte. In solche Gebiete sollen sich nur Bergsteiger wagen, die sich auf eine entsprechende, spezielle Erfahrung stützen können, ausser sie befänden sich in Begleitung eines erprobten Gebietskenners. Die Bereiche zwischen den Talsohlen und der Waldgrenze, mit Hunderten von Metern Höhendifferenz, sind hier Labyrinthe mit einer unglaublichen Ballung von Hindernissen, wie Runsen, Wänden und Schluchten. Diesbezüglich ist zu sagen, dass man sich in den Gebieten unterhalb der Waldgrenze nie blindlings auf die ansonsten ausgezeichnete Landeskarten verlassen soll: Die Karten werden auf der Basis von Luftaufnahmen erstellt, die in Zeiten üppiger Vegetation gemacht werden. Die Blätter der Bäume verleihen dem Gelände ein gleichförmiges Aussehen und können dabei bedeutende Felsstufen verdecken. Was auf der Landeskarte als regelmässiger, bewaldeter Hang eingezeichnet ist, kann in solchen Fällen in Wirklichkeit ein unglaubliches Durcheinander von Terrassen, Tälchen und Felsgürteln sein.
  4. Der Bergwanderer kann nicht mit dem Vorhandensein von Wegen über der Waldgrenze (in der Regel auf ca 1900m, doch hängt dies von der Hangrichtung, dem Breitengrad usw. ab) rechnen. Die Sicht und die Orientierungsmöglichkeiten sind hier im allgemeinen gut. Man muss sich indessen bewusst sein, dass die Tessiner Alpen in den warmen Monaten leider häufig in Nebel gehüllt sind; auch bei Begehung einfacheren Geländes muss man deshalb die Fähigkeit besitzen, sich jederzeit orientieren zu können.


Giuseppe Brenna beschreibt die vorhandene Situation sehr zutreffend. Ähnliches gilt auch für das Val Grande, obwohl die Verhältnisse dort insgesamt ein wenig einfacher sind. Neben der obligatorischen aktuellen Ausgabe der Landeskarte 1:25'000, die die tatsächliche Wegesituation in der Regel sehr zuverlässig widergibt, kann es für den Experten ratsam sein, sich anhand alter Karten (z.B. die Landeskarte 1:50'000 aus den 1950er Jahren) auch über den früheren Verlauf von heute praktisch nicht mehr existenten Wege kundig zu machen. Neben dem obligatorischen Höhenmesser und Kompass ist ein GPS-Gerät meist wenig hilfreich, da das Gelände oft kleinräumig zerklüftet ist. Um die im Gelände anzutreffenden Schwierigkeiten zu kategorisieren, wird auf dieser Website die neue T-Skala des SAC verwendet.

Val d'Iragna
Im Val d'Iragna
Foto: Manuel Haas

Wer im Winter in die beschriebenen Gebiete vordringen möchte, ist meistens mit Schneeschuhen besser gerüstet, als mit Ski. Sie sind im steilen Gelände unterhalb der Waldgrenze deutlich wendiger und flexibler einsetzbar. Auch entstehen überraschenderweise kaum Zeitverluste sowohl im Auf- als auch im Abstieg gegenüber dem Einsatz von Ski. Man wähle in jedem Fall ein alpintaugliches Modell mit Steighilfe und guten Harscheisen (z.B. MSR Denali Ascent oder TSL 225/325) und führe ein kleines Notfall-Reparaturset mit.

Auf entsprechende Wintertouren sollte nur derjenige gehen, der im Sommer schon umfangreiche Erfahrungen mit den Schwierigkeiten des Geländes der Tessiner Alpen gesammelt hat. Die Gefahr von vereisten Passagen, auch auf Wegen, und besonders dann, wenn wenig oder kein Schnee liegt, darf nicht unterschätzt werden. Es ist oft ratsam, Steigeisen und Pickel mitzuführen. Dies neben der obligatorischen Ausrüstung wie LVS, Schaufel und Sonde.

In Italien sind LVS, Schaufel und Sonde gesetzlich vorgeschrieben, Strafen bis EUR 250. Das Auslösen von Lawinen in Italien ist strafbar, unabhängig davon, ob ein Schaden entstand. Man rechne mit Haftstrafen und Gerichtskosten von mehreren zehntausend Euro.

Poncione di Braga
Poncione di Braga, 28.März 2004
Foto: Manuel Haas

Militärische Gebietssperrungen

In vielen alpinen Regionen der Schweiz führt die Armee zeitweise Schiessübungen durch. Die betroffenen Sektoren werden durch Schiesswachen und angeschlagene Schiessanzeigen gesperrt, die Benutzung einzelner Wege oder der Durchgang durch bestimmte Zonen ist dann untersagt, und man hat sich unbedingt daran zu halten. Vermehrt betroffen sind insbesondere das Val Sambuco, das Val Bedretto, die Leventina, das Val Canaria, die Piora, das Val Cadlimo, das Valle Santa Maria, das Valle di Campo Blenio und die Regionen um den San-Bernardino-Pass und den Monte Ceneri. Für die Tourenplanung, namentlich an Werktagen ausserhalb der Ferienzeit - in der Regel findet an Wochenenden und Feiertagen kein Schiessbetrieb statt -, empfiehlt sich stets die vorgängige Erkundigung über militärische Sperrungen.

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