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Val Divedro - rechts der Doveria



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Die beschriebene Region umfasst den orografisch rechten Teil des Val Divedro ohne den separat beschriebenen Schweizer Oberlauf. Die orografisch linke Seite ist ebenfalls separat beschrieben. Aktuell sind die Angaben noch unvollständig.
  Alpe di Camona
  Alpe di Camona, 28.Juni 2011
Beim Camunagrabe in Biel beginnt ein nur anfangs noch gut sichtbarer Pfad auf die Tannegga hinauf. Sobald der Rücken erreicht ist, ist von der einstigen Weganlage nicht mehr viel sichtbar. Gelegentlich weicht man vor felsigen Schwierigkeiten wenig in die Flanken aus, wo die eine oder andere Kunstbaute oder Treppe aufwartet. Einst war die Route offiziell weiss-rot-weiss markiert, diverse verblasste Markierungen zeugen noch davon. Schliesslich erreicht man den Passo Cravariolo (P.1745 IGM, Grenzstein Nr.1), wo die waagrechte Querung auf ausgeprägtem, aber von der Vegetation stark bedrängtem Weg über hohen Abgründen zur Alpe di Camona mit dem Rifugio Davide Cerutti ansetzt. (Gondo - Tannegga - Alpe di Camona 3:00, T4-)

Einstiger Hauptzugang auf die abgelegene Alpe di Camona war die Stra di Vacc von Osone via Alpe Loio. Dabei wurde weder die Alpe Tenda berührt noch die Alpe Loccia. Der Abschnitt von Loio nach Camona ist heute noch auf den aktuellen Ausgaben der LK verzeichnet; er überschritt den Nordgrat des Il Dosso auf ca 1950m. Die heute genutzte Route der Alta Via Val Divedro führt hingegen via Alpe Tenda und Alpe Loccia. Bei der Verzweigung südlich oberhalb Alpe Loio ist jedoch auch heute noch die alte höher verlaufende Stra di vacc der deutlichere Weg und der dort befindliche Wegweiser der Alta Via scheint auf den ersten Blick ins Nichts zu weisen. Folgende weitere Zugänge in diese Zone sind anhand alter Karten (insbesondere IGM 1914) dokumentiert:

1) Von Iselle folgt man orografisch rechts der Doveria und überschreitet den Rio di Loio. Im anschliessenden Wald findet man das gut erhaltene Wegtrassee das in kurzen Kehren einen Rücken erklimmt. Am Ende (ca 770m) traversiert man auf grosszügigem Band nach links und folgt dem mit vielen Kunstbauten versehenen Weg bis über die Steilstufe hinauf. Im flacheren Gelände angelangt hat es zunächst den Anschein, dass das Trasse geradeaus weiter führe (falsche Schnittspuren), doch zieht es sehr undeutlich nach links über einen kleinen Rücken weg und steigt auf dem Rücken vor dem Rio di Loio weiter an. In dieser Zone mit sehr undeutlichem Weg beginnen rote Markierungen, die bis zu den Ruinen von Cortoi, 1387m (in alten Karten fälschlich mit 1337m kotiert, auf der IGM 1914 als Fienili bezeichnet) hinaufführen. Auch nach diesen Ruinen setzt sich die Markierung über die fast durchgehend noch vorhandene Weganlage über eine weitere Steilstufe nach Alpe Loccia fort. Im Abstieg ist der Beginn des Weges auf der Alpe Loccia sehr schwierig zu finden. Man achte auf die roten Punkten, die westlich der Ruinen ansetzen. (Iselle - Cortoi - Loccia 3:30, T4-)

Croppo della Valle  
Croppo della Valle (von Alpe di Camona), 28.Juni 2013  
2) Auf o.g. Weg bis zur Höhe von 770m, wo sich tatsächlich eine Verzweigung befindet: Nach rechts nur allmählich unter den Felsbändern ansteigend bis zu einem Amphitheater aus Fels, das von Iselle aus gut sichtbar ist. Diesen Kessel auf Felsbändern allmählich aufwärts traversieren und rechts des Rückens an seinem Ende wieder auf gut sichtbarem Wegtrassee bis in einen steilen Buchenwald zwischen den Abgründen, wo keine Wegfortsetzung sichtbar ist. Man findet diese an der oben begrenzenden Felswand, wo auf anfänglich steilem Band rechtshaltend in die Wand eingestiegen wird. Bereits nach wenigen Metern wendet man sich nach links (Mauerreste) und über eine Rampe mit abgehackter Erle wieder nach rechts. Nun muss linkerhand die Schlüsselstelle überwunden werden: Über eine grifflose Platte mit kleinen Tacche auf das nachfolgende Trassee hinauf und über einen Felssporn in Kürze in einfaches Gelände. Oben befinden sich die Reste von diversen Seilverankerungen und Überreste einstiger Abseilmanöver. Nun in langer waagrechter Traverse ohne Probleme auf Wegresten bis zum Tobel des Riale di Loccia, das ohne alpine Probleme überschritten wird. Die Traverse wird unter einer Felswand noch weiter fortgesetzt, bis überraschend rote Markierungen auftauchen. (Diese Markierungen sind tatsächlich auch im unteren Wegabschnitt vorhanden, aber zu verblasst, um sie als solche wahrzunehmen.) Sie wenden sich nun auf ein Band über der Felswand, um auf ihm zurückzutraversieren, bis eine Schwachstelle den Durchstieg durch die folgende Felswand erlaubt. Man folgt nun auf Wegresten in wildem Hin und Her den Markierungen, die abschnittsweise stark verblasst sind und erreicht schliesslich eine Ruine, über der sich Gras- und Schrofenwände aufbauen. Man quert aufsteigend nach rechts (Markierungen nicht mehr erkennbar) und gelangt auf abschnittsweise schmalem Band an ein exponiertes Eck mit eingestürzter Treppe. Man klettert über den Treppenrest hinauf, traversiert aufsteigend nach links und entdeckt die Fortsetzung der Markierungen. Schliesslich gelangt man über ein langes, breites und bequemes Band auf den Rücken hoch über dem Riale di Camona. Über diesen sanften Rücken steigt man bis vor eine hohe, abweisende Felsstufe. Eine Treppe erlaubt die Überwindung der ersten fünf Meter. Danach wendet man sich sofort hart nach links und gelangt überraschend auf eine einfache waagrechte Traverse gegen den Riale di Loccia hin. Schliesslich steigt man sehr steil im gut gestuften Gelände gerade bergan (Reste von Kunstbauten, Tacche etc) und gelangt mittels einer erneuten Linksschlaufe auf eine Traverse zurück zum Rücken über dem Riale di Camona, nun oberhalb der abweisenden Felsstufe. Über den Rücken nun in Kürze nach Croppo della Valle, 1428m, wo die Markierungen enden. Einst soll sich der Pfad von hier, den Riale di Camona auf ca 1500m querend, direkt bis auf die Alpe di Camona fortgesetzt haben. Dies scheint heutzutage wegen des Erlenbewuchses nicht mehr ratsam. Besser geht man von Croppo della Valle direkt über den Rücken hinauf zur Alta Via Val Divedro, was zwar steil, aber überraschend einfach und vegetationsarm möglich ist. Erst wenige Meter vor dem Erreichen des Wanderweges trifft man auf behindernde Erlen. (Iselle - Croppo della Valle - Camona 4:30, T5+/III-). (Das nach 1914 auf allen Karten aus unbekannten Gründen nicht mehr dokumentierte Croppo della Valle, wo sich immerhin sieben Ruinen auf einer schönen Wiese befinden, kann aus einer gewissen Perspektive vom Wanderweg wenig oberhalb der Alpe di Camona erspäht werden, siehe Foto.)

  Pizzo del Rovale
  Pizzo del Rovale, 30.Mai 2012
3) Gemäss Eintragungen im Hüttenbuch von Davide Cerutti existiert eine Route von Paglino durch die Zone Inferno direkt nach Alpe di Camona. Details fehlen.

Zur Via Alta Val Divedro: Die Route wurde 2006/2007 hergerichtet, mit enormem Aufwand ausgeastet, offiziell markiert und signalisiert. Doch leider beginnt sie auf relevanten Abschnitten mangels Begehung bereits wieder zuzuwachsen. Sie führt von Alpe di Camona via Alpe Loccia - Alpe Loi - Alpe Corgiolo nach Alpe Lorino. Für eine Begehung sollte man aus vorgenannten Gründen die Monate Juni, Juli und August meiden. Offiziell markiert sind die Zugangswege von Iselle via Osona nach Alpe Tenda und von Varzo via Alpe Cortiggia - Alpe Prato Grande nach Alpe Corgiolo. Die westliche Fortsetzung nach Gondo ist bisher über den Projektstatus nicht hinausgekommen.

Von Interesse ist im weiteren die alte direkte Mulattiera von Iselle auf die Alpe Prato Grande. Zwar ist der untere Teil des Verlaufs durch den zwischenzeitlich aufgegebenen Steinbruchbetrieb stark in Mitleidenschaft gezogen resp. nicht mehr vorhanden, doch ist der danach folgende Abschnitt alleine wegen der in schwierigem Gelände grosszügig angelegten Mulattiera sehenswert: Man überschreitet auf der Werkstrasse unterhalb des Dorfes Iselle die Doveria und steigt orografisch rechts des Rio di Rovale in den aufgelassenen Steinbruch hinein. Dabei sieht man sich allerlei Hindernissen ausgesetzt: Wilder Flieder behindert abwechselnd mit erodierenden Block- und Geröllfeldern das Vorwärtskommen. Erst höher oben erreicht man die hier wieder intakte, aber teilweise überwachsene Werkstrasse. Auf der höchsten mittels Strasse erreichbaren Abbauterrasse geht man bis zum nordöstlichen Ende und trifft auf den Beginn eines Pfades, der über einen kleinen Plattenschuss zum verbleibenden Rest der Mulattiera führt. Sie ist gut erhalten und teilweise mit mächtigen Granitplatten belegt. Man folgt ihr in verschlungener Routenführung durch wildes Gelände, wobei einzelne Kehren durch die Abbaukante des Steinbruchs in Mitleidenschaft gezogen sind. Über die Ruinen von Giorcino erreicht man schliesslich flachere Buchenwälder, durch die man bis zum offiziellen Wanderweg auf der Alpe Prato Grande gelangt. (Iselle - Giorcino - Prato Grande 2:00, T4)

Über die weiter talabwärts gelgenen Zonen ist bisher nichts bekannt. Von Interesse scheint insbesondere die Zone des Rio di Rido, der bei Campeglia in die Doveria mündet, zu sein; zeigen doch die alten Karten hier eine Reihe zusätzlicher Alpen und Verbindungswege.

Russia  
Russia (P.854 IGM), 30.Mai 2012
 
 

Weitere Fotografien

Weitere Fotografien Croppo della Valle - Camona

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Simplon Süd

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