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Val Carecchio



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Langes, eher selten besuchtes Seitental des Val Verzasca.

Eus  
Eus, 29.Oktober 2014  
Der gute Talweg führt von Lavertezzo-Rancone zur Brücke P.674. Wenige Minuten oberhalb der Brücke zweigt der gute Alternativweg über Sprüia und Sambuco ins Val Pincascia ab. In Sprüia zweigt ein nicht in der Landeskarte eingezeichneter gepflegter Pfad ab der zu P.861 in Rodana führt. Er setzt sich über Rodana hinaus waagrecht fort bis zum Talweg, der bei ca 850m erreicht wird. In der Rinne nördlich von Sprüia mündet von unten der grossteils verfallene Verbindungspfad von Cognera ein, dessen Begehung heute nicht mehr ratsam ist. An gleicher Stelle zweigt nach oben der eher undeutliche Pfad nach Cürt ab. Er ist allerdings mit weissen und blauen Täfelchen und Reflektoren markiert. Pfad und Markierung setzen sich über P.820 bis zu den Ruinen auf ca 970m fort, wo es nach allen Richtungen weitergeht: Nach rechts führt ein Pfad zur Kehre am Weg nach Eus, ca 1040m. Die Markierung führt geradeaus weiter hinauf gegen die Wände des Pizzo d'Eus; offenbar wurde sie von Kletterern angebracht. Links führt ein anfänglich gut sichtbares Trassee mit Treppe in Richtung von P.1480 hinauf. Nach Querung der ersten Rinne wird es undeutlicher und ist von Erlen bestockt, doch leisten alte Schnittspuren gute Dienste. Das Trassee zieht über den Rücken zwischen der ersten und zweiten Rinne nördlich von Cürt hinauf, und wird schliesslich unter einer Felswand auf einem Band in die zweite Rinne gedrängt, wo keine Wegfortsetzung mehr sichtbar ist. Die Rinne ist oberhalb durch eine Felsstufe unterbrochen; man überwindet diese Stufe auf schmalem Band mit Resten von Kunstbauten von der Südseite her. (Für die Gegenrichtung weist ein nur schwach erkennbarer Pfeil auf einer Felswand am Ende der Passage auf diese nicht offensichtliche Stelle hin.) Zuerst der Rinne folgend, dann schräg aufwärts steigend erreicht man eine gemauerte Plattform auf ca 1320m auf dem Rücken vor der dritten Rinne. Über den Rücken steigt man bis unmittelbar unter die Wände des Pizzo d'Eus und folgt den Wegresten über ein Band zu P.1480. Über den Nordgrat des Pizzo d'Eus steigt man weiter an. Die Steilstufe auf ca 1560m wird mit Hilfe einer Treppe überwunden. Danach verliert sich das Wegtrassee. Man gelangt ohne besondere Schwierigkeiten über den Grat auf den Gipfel des Pizzo d'Eus. Der einstige Weg führte indessen in einer aufsteigenden Querung nach Eus, vgl. Siegfriedkarte. Diese Route ist bemerkenswert, weil sie durch deutlich einfacheres Gelände verläuft, als alle anderen Zugangswege nach Eus. Allerdings ist eine gute Spürnase erforderlich. - Die senkrechte Südwand des Pizzo d'Eus, durch welche schwierige Sportkletterrouten verlaufen, wird auf Zwei-Drittel-Höhe von einem gut sichtbaren waagrechten Band durchkreuzt, siehe untenstehende Fotografie. Dieses Band, die Corona del Pizz, wurde in früherer Zeit als Wildheuplanke genutzt, obwohl es über keinen einfachen Zugang verfügt.

  Piano dei Nicc
  Piano dei Nicc, 29.Oktober 2014
Zurück zum Talweg des Val Carecchio: In der Nähe von Rodana, befindet sich die markierte Abzweigung des mehrheitlich guten, aber schmalen und durch wildes Terrain führenden Pfades nach Eus (Eos). Bei P.861 in Rodana kreuzt man den weiter oben erwähnten Pfad Sprüia - Carecchio und bei der auffallenden Kehre auf ca 1040m, wo die Steigung des Pfades so markant wechselt, mündet von links der noch gelegentlich begangene Pfad von Cürt ein. Von Eus führen akzeptable Wege auf den Pizzo d'Eus und auf die Cima Pianca (d'Eus).

Gegenüber von Rodana befindet sich das grosse, in Ruinen liegende und teilweise überwucherte Monti Chignolo, 842m, wovon in heutigen Karten unverständlicherweise nur noch der Flurname erhalten ist. Um es zu erreichen folgt man dem alten Pfad, der etwa 30m vor der Kapelle vor P.674 ansetzt. Er zieht durch wildes Terrain und ist nicht ganz einfach zu begehen, doch ist das Trassee noch durchgehend sichtbar. Von den Ruinen setzt man die Querung weglos waagrecht fort, durchquert ein plattiges Tobel und trifft jenseits wieder auf das Trassee, das in einigen Kehren an Höhe gewinnt. Bei ca 860m befand sich gemäss alten Karten einst eine Brücke über die Schlucht des Riale di Carecchio, von ihr ist heute nichts mehr zu sehen. Man quert den Riale daher oberhalb des Wasserfalls und trifft auf den Talweg.

Der offiziell markierte Talweg führt über Monti della Valle bis zu P.1159 weiter, wo ein anderer guter und gepflegter Pfad nach Eus abzweigt. Bei 1260m zweigt von diesem Pfad nach Eus die kühne, allmählich verfallende Weganlage nach Piano dei Nicc ab; sie beeindruckt durch ihre vielen Kunstbauten über hohen Abgründen. Von Piano dei Nicc kann man dem auf lange Strecke gut erhaltenen Pfad nach Garèd folgen. Erst vor der Bachquerung verschwindet er allmählich. Nach der auf 1670m stattfindenden Querung erreicht man in Kürze den von Carecchio heraufkommenden Pfad. (Val Carecchio - Piano dei Nicc - Garèd 2:00, T4+). Vor der Erbauung der kühnen Kunstbauten im Aufstieg nach Piano dei Nicc erreichte man diese Alp über eine Mulattiera, die sehr weit nach Westen ausholt. Sie ist noch vorhanden und beeindruckt gleichfalls durch einige Treppen, wird aber de facto nicht mehr begangen.

Alpe Tiée  
Alpe Tiée, 17.Juni 2015  
Vor der meist trockenen Bachrinne unmittelbar vor den Hütten von Carecchio findet man den mangels Begehung bescheiden gewordenden Pfad über Garèd nach Fornaa hinauf. Bis Garèd ist er rot markiert. Er weist im letzten Abschnitt vor Fornaa einige bemerkenswerte Treppen auf. Beim Gebäude von Garèd zweigt ein Pfad ab, der an offenen Stallungen unter einem Überhang vorbei zur intakten Hütte von P.1629 führt. Hier mündet ein deutlicher und geputzter Pfad ein, der mutmasslich ebenfalls von Carecchio kommt. Auch führen Reste eines Pfades hinauf zu P.2042. Von Fornaa führt ein Pfad noch etwas weiter hinauf, schlussendlich erreicht man weglos in einfachem Gelände bei P.2290 die Via alta Verzasca. Die in Fornaa südlich abzweigenden Pfade sind augenscheinlich in akzeptablem Zustand. Ob sie noch bis Alpe di Rognói duchgehend vorhanden sind, ist nicht bekannt. (Carecchio - Garèd - Fornaa 2:00, T4-)

Von Carecchio führt der Talpfad nun in eher bescheidenem Zustand durch hohe Vegetation über die Ruinen des unteren Stafels (P.1634) bis zu den Hütten des oberen Stafels der Alpe Rognói, deren Hütten 2009 von einer Lawine beschädigt wurden. Beim unteren Stafel zweigte einst eine schwer auffindbare Pfadspur durch Erlenfluren ab, die zur Alpe Arpigia führte; sie ist heute weitgehend überwachsen. Von Arpigia kann man problemlos (offenes Gelände) über P.2145 direkt zur Alpe Bardughè wechseln. Eine andere, ebenfalls überwachsende Spur führt direkt gegen die Bocchetta di Rognói. Von der Alpe Rognói (oberer Stafel) leiten schwache Trittspuren in die Bocchetta di Lèis, die den Übergang ins Valle di Moleno erlaubt, oder in die Bocchetta di Rognói (offiziell markiert), von wo ins Val della Porta abgestiegen werden kann.

Zur orografisch linken Talflanke: Von Rancone führt ein gut erhaltener Pfad zum aussichtsreichen Corte da Cane, dessen Gebäude verfallen und komplett von Brombeeren überwuchert sind. Der in der Landeskarte verzeichnete weitere Pfad nach Sassello ist zwar noch vorhanden, doch ist er ungebräuchlich und komplett von der Vegetation eingenommen. Man geht heutzutage auf einem nicht eingezeichneten Weg, der bereits bei der letzten Kehre (ca 860m) vor Corte da Cane ansetzt und direkt über Sasso di Ca und Sassello nach Piano del Monte führt. Von hier kann man über den Rücken entlang blauer Markierungen weitergehen, passiert auf 1328m die Ruinen der vor langer Zeit aufgegebenen Alpe Tiée und erreicht den zumeist ausgetrockneten Laghetto. Von hier kann man zuerst durch Buchenwald, später etwas mühsam ostseits in die Erlen ausweichend bis unmittelbar unter die senkrechten Felswände von Pinell steigen, und erreicht die von den Jägern freigehaltene, unten erwähnte Variante 4) von Alpe Viciüm nach Arpètt. Von Sasso di Ca führt ein anfangs gutes, waagrechtes Wegtrassee gegen P.924 und weiter in den Hang hinein. Es verliert sich trotz Schnittspuren bald. Man kann steil und anspruchsvoll ins Val Carecchio hinabsteigen und trifft auf den nach Chignolo führenden alten Pfad. Von Piano del Monte führt ebenfalls ein Wegtrassee mehr oder weniger waagrecht in den Hang gegen P.1174 hinein, es verliert sich rasch. Von Corte da Cane führen Pfade nach Collo und Gana, Details siehe beim Val Verzasca.

  Sentiero Piano del Nicc
  Sentiero Piano dei Nicc, 14.August 2009
Alpe Arpètt wird heutzutage praktisch nur noch von Alpe Bardughè erreicht, nämlich auf vier verschiedenen Varianten, im Detail - von Ost nach West:
1) Vom Sattel bei P.2175, indem man durch das Tälchen östlich (!) von P.2011 hinuntersteigt. (Das westliche Tälchen ist im unteren Teil völlig verbuscht.)
2) Vom Sattel bei P.1963 in Pinell über Geröll hinab zu P.1852, wo man auf ein von den Jägern freigehaltenes Trassee trifft, das ungefähr der Höhenkurve 1800m folgt, um P.1791 der Alpe Arpètt zu erreichen.
3) Auf dem in der LK verzeichneten, von den Erlen bedrängten Weglein nördlich um P.1987 von Pinell herum zu P.1852 und weiter wie oben.
4) Auf einem von den Jägern freigehaltenen alten Wegtrassee, das bei der Kehre ca 1730m oberhalb Alpe Viciüm beginnt, und die gesamte Schulter von Pinell zwischen den Höhenkurven 1600m und 1700m im Uhrzeigersinn umrundet um bei den Ruinen P.1689 zu münden. Dieses bemerkenswerte Weglein schlängelt sich über natürliche Bänder im steilen bis senkrechten Gelände, ist oft sehr ausgesetzt und mit entsprechender Vorsicht zu begehen. Vor der Rippe mit P.1509 ist die Routenführung wenig eindeutig: Es muss rund 60m aufgestiegen werden, um die Traverse fortzusetzen, und auf der so erreichten Rippe gleich wieder abgestiegen werden (kurze Kletterstelle II+). (Viciüm - Arpètt 2:00, T5+, Fotogalerie).

Die Ruinen von P.1689 liegen auf einer Lichtung im Erlenmeer und sind von P.1791 gut einzusehen, sie werden entweder auf einem freigehaltenen Zickzack-Weglein, das westlich von P.1791 beginnt, erreicht, oder über nur teilweise offene Hänge direkt von P.1852 aus.

Der alte Zugang von Monte della Valle nach Arpètt - wohl einst der Zugang für das Grossvieh - ist zwar teilweise noch erhalten, wird aber nicht mehr begangen. In der oberen Hälfte kämpft man gegen die Vegetation. Bemerkenswerterweise befinden sich in der Zone Riali die Ruinen einer vergessenen Alp: Man überschreitet in Monte della Valle die Brücke zu einer einzelstehenden Hütte und setzt eine weglose, nur wenig steigende Traverse gegen Riali an. Bald trifft man auf eine Wasserleitung und den Beginn eines recht ausgeprägten Wegtrassees, das rasch den Rücken vor Riali, ca 1100m erreicht. Hier wird die Wasserleitung verlassen und man steigt - auf gut erkennbaren Wegresten - den Rücken gerade hinauf. Dabei trifft man auf ca 1220m auf die Ruinen einer nie dokumentierten Alp (Riali? Corte di fondo d'Arpètt?). Am Fuss der wenig höher gelegenen Geröllhalde führt ein deutliches Wegtrassee zum von Arpètt, P.1791, herabkommenden Bach, den man auf ca 1270m erreicht. Am besten überschreitet man auch bald den zweiten, von P.1689 herabkommenden Bach, der in einer Felsrinne fliesst, die nur an einigen wenigen Stellen überschreitbar ist. Man hält eine südsüdwestliche Aufstiegsrichtung bei (wenige Wegreste) und trachtet danach das westliche Ende der in der LK verzeichneten Geröllfläche auf 1500m (tatsächlich handelt es sich um einen Plattenschuss) zu erreichen. Über dem Plattenschuss finden sich die Reste eines Wegtrassees, das nach Westen aufsteigend zum gutmütigen Rücken wegzieht und dort die freigehaltene Schneise der o.g. Variante 4) nach Arpètt, 1689m, erreicht. (Monte della Valle - Arpètt 2:30, T4)

Die einstige Verbindung von Arpètt nach Arpigia ist historisch dokumentiert, doch fehlen bis anhin jegliche Details.

Alpe Arpètt  
Alpe Arpètt von Pinell, 27.Juni 2009
 
 
Weitere Fotografien

Weitere Fotografien Arpètt I

Weitere Fotografien Arpètt II

Weitere Fotografien Sentiero Viciüm - Arpètt

Weitere Fotografien Sentiero Monte della Valle - Arpètt

Weitere Fotografien Chignolo, Corte da Cane

Weitere Fotografien Garèd - Piano dei Nicc

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