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Valle Santa Petronilla e Monti di Biasca
 



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Sehr steiles, kurzes und eher wenig besuchtes vom Ri della Froda durchflossenes Seitental der Riviera. Ebenfalls an dieser Stelle beschrieben sind die von einem unglaublichen Wegenetz durchzogenen Monti di Biasca zwischen Valle Santa Petronilla und Valle d'Osogna. Ein Teil der hier veröffentlichten Informationen stammt von Moritz Vögeli.

Unterwegs in der Val Pontirone und den Monti di Biasca (von Moritz Vögeli; PDF, 13.8 MB)

Panorama der Monti di Biasca (von Moritz Vögeli; JPG, 9.6 MB)

Wer einmal an Biasca vorbeigefahren ist, kennt die Kaskade der Wasserfälle der Froda, die sich am Horizont verliert; über dem untersten rechts einer Steinbrücke die Kapelle der Santa Petronilla (P.388), die dem Tal seinen Namen gegeben hat. Bei der Kapelle der Badestrand von Biasca, das schattige Grotto oberhalb der Kapelle ist leider nur noch Geschichte. Links der Wasserfälle am Horizont die Masten der Materialseilbahn von Nadro, rechts die Kuppe von Scighignera (P.1186, auf der LK nicht bezeichnet). Links oberhalb des grossen Wasserfalls bei einer gewaltigen Ulme In Olm (P.810).

Auf den ersten 1200 Höhenmetern ist das Tal ungangbar und auch für Canyoning eine Herausforderung, erst auf der Alpe di Compiett öffnet sich das Tal. Eine Unzahl von Wegen zwischen dem Vallon, das sich vom Pizzo Magn nach Sasso Carnone hinunterzieht, und dem Ri di Persc südlich von Albat, der Grenze zu Osogna, führt auf diese Alpen.

Für den Charakter des Gebiets sind zwei Ereignisse von einschneidender Bedeutung: 1513 begrub ein gewaltiger Bergsturz das alte Biasca, zwei Jahre später zerstörte der Ausbruch des Stausees, den der Bergsturz verursacht hatte, das Kulturland in der Ebene, was eine intensive Nutzung der Berggebiete zur Folge hatte, die an die Verhältnisse in der Val Bavona erinnert. Für Jahrhunderte verlor Biasca den Sitz der Kreisverwaltung an Osogna, und bis zu Beginn des Eisenbahnzeitalters hatte die Val Pontirone mehr Einwohner als Biasca. Für die Alpen des Gebiets ist von Bedeutung, dass das Vieh von Biasca seit 1957 auf den Alpen Sceng und Cava in der Val Pontirone gesömmert wird, was zur Folge hatte, dass die Alpen der Valle Santa Petronilla aufgegeben wurden.

Zentrum des Tals ist Compiett, im Sommer für zwei Monate eine belebte Siedlung, die viele einheimische Besucher anzieht; seltener sind Wanderer auf dem Weg zum Rifugio di Lago oder zur Capanna Cava.

Monti di Biasca

Monti di Biasca, 10.Dezember 2004
Foto: Moritz Vögeli

Der offiziell markierte Wanderweg führt von Biasca zunächst in zwei Varianten nach Fracion: Entweder geht man über die Grotti Biasca (Blick über die Friedhofmauer: das Grab einer "Gottlosen" mit einem Herz statt Kreuz, wie es das nur in Biasca gibt) oder über den Sentiero dei Motti, der bei der oberen Kirche in Biasca seinen Ausgangspunkt hat, und durch die Zone Palèi führt. Der weitere Verlauf führt über Monte del Trèdas - Canvasgia - Alpe di Compiett - Alpe di Pontima - Alpe di Sprügh zum Rifugio auf der Alpe di Lago. Er setzt sich über einen Pfad bis auf die Forcarella di Lago fort, von wo zur Capanna Cava und ins Val Pontirone abgestiegen werden kann. Die diversen Varianten über Pizzigüd, diejenigen über Piancra Bella und jene über Chierisgev oder Alp di Dros hat Moritz Vögeli hier beschrieben. Ferner sei folgendes angemerkt: Die wasserarme Piancra Bella ist auch von der Alpe di Pontima über einen Pfad erreichbar, über welchen einst das Wasser vom Ri della Froda zur Alp geschafft wurde. Bei der Traverse von der Piancra Bella zur Alpe di Lago trifft man vor P.2069 auf eine Verzweigung: Die untere Spur führt nach Alpe di Sprügh, die obere nach Alpe di Lago.

Der Verbindungspfad von Monte del Trèdas nach Monte Bello führt durch ein aktives Felssturzgebiet und ist objektiv gefährlich, derjenige von Chianvasgia führt durch ein altes Felssturzgebiet und ist mühsam. Beide Pfade sind weitgehend zerstört und werden nicht mehr begangen; gelegentliche rote Farbmarkierungen helfen den Geologen ihre Messpunkte zu finden und sind keine Wegmarkierungen. Der beste Übergang von Chianvasgia nach Svall beginnt bei der Bergstation der Materialseilbahn am Anfang der Alpstrasse, die nach Compiett führt (nicht markiert, von Ziegen unterhalten, steinschlägig, 2:00, T5+).

Monte del Trèdas erreicht man auch auf einem vor langer Zeit aufgegebenem Pfad über Pizzigüd, der indessen noch - sehr sporadisch - von den Betreibern der Seilbahn nach Canvasgia zu Unterhaltsarbeiten begangen wird (Seilbahnstütze in Pizzigüd): Auf gesichertem, gepflegten Pfad erreicht man das Rustico in Polèi, P.521. Hier schlägt man sich ins Gestrüpp und zielt durch Erlen, Haselnüsse und Brombeeren auf den nach Pizzigüd ziehenden Rücken. Nur mit viel Glück gelingt es, die teilweise ausgeastete Route aufzufinden und nicht wieder zu verlieren. Dort, wo sich der Rücken felsig aufsteilt, beginnt ein schluchtartiges Couloir, das den Rücken teilt. Man folgt dem Grund der Schlucht (Treppenreste, Tacche, sporadisch alte Schnittspuren) und steigt zuoberst links über ein Wändchen (Tacche) aus der Rinne aus und erreicht damit flacheres, aber mit Erlen überwachsenes Gelände. Unter den Erlen befindet sich das noch sichtbare Wegtrassee, welches einem neuerlichen Aufschwung etwas nach Norden ausweicht und sodann die Verflachung mit dem völlig zugewachsenen, aber noch erhaltenen Gebäude von Pizzigüd erreicht. Etwas weiter oben erreicht man einen Pfad, welcher nördlich des Rückens weiter aufsteigt und auf 900m an den steilen Hang anschliesst, welcher Canvasgia trägt. Zuerst nördlich, dann etwas südlich ausholend gewinnt man an Höhe (einige Wegreste und Schnittspuren). Auf 970m beginnt man eine Traverse nach Norden, die leicht aufsteigend in ein eindrückliches Band mündet, welches absteigend zur Hütte in Monte del Tredas, ca 970m, führt, wo eine interessante, unmarkierte Variante des Wanderweges Biasca - Canvasgia hindurchkommt. (Biasca - Pizzigüd - Monte del Tredas, 3:00, T6-, Fotos)

Der eindrückliche Pfad von Biasca über die Bèdra del Vent, Nadro und Piansgèra nach Compiett ist gut erhalten und viel interessanter als der Wanderweg via Canvasgia. Seine Begehung ist auch für Wanderer sehr empfehlenswert, Moritz Vögeli beschreibt ihn an dieser Stelle. Ebenfalls dort beschrieben ist die Variante ab Nadro über die verschiedenen Ruinen von Medéi bis nach Compiett. Ab dieser Variante zweigt eine Pfadspur ab, die über die Brücke über den Ri della Froda nach Premestì (P.1316) führt. Auf halber Strecke passiert man die Ruine eines nie fertiggestellten Stalles - die wohl erbärmlichste Hungeralp von Biasca: Der Stall wurde nie fertig, weil einer der Brüder beim Bau abstürzte, bevor sie um 1870 nach Amerika auswanderten. In Premestì enden zunächst die Pfadspuren, steigt man jedoch rund 100m auf, so trifft man auf das schon von weitem sichtbare Mauerwerk einer Treppe und die Pfadfortsetzung, die zum zweituntersten Haus in Negressima führt. Einst führte ein anderer Pfad vom obersten Stall von Medéi (ca 1380m) direkt nach Premestì. Die dort befindlichen hängenden Stege (pontì) sind verschwunden und ein Felsausbruch hat den einstigen Weg unpassierbar gemacht.

Von Compiett führt ein gut unterhaltener Pfad über Raiada und über eine eindrückliche, ausgesetzte, aber mit einem Geländer versehene Stelle, die örtlich Ra Piota genannt wird, zum Pfad von Negressima nach Alpe di Tongia. Einst war Raiada über direkte Pfade mit Alpe di Tongia und mit dem Premestì verbunden. Von diesen Pfaden sind nur nur noch einzelne Reste übrig.

Von der Kapelle Santa Petronilla führt ein inoffiziell markierter, aber gut unterhaltener Pfad in abenteuerlicher Routenführung via Cantói, Scighignèra (P.1186) und Negressima nach Alpe di Tongia. Eine Variante führt von der oberen Kirche in Biasca über den Sceng Lungo zur Lokalität In Olm, P.810 und weiterhin auf einem Pfad zum Negressima-Weg, den man bei ca. 800m erreicht. Der Besitzer des Gebäudes von In Olm hat jedoch sein Grundstück widerrechtlich eingezäunt und versucht Passanten auch mittels Hunden zu vertreiben, man stelle sich bei Begehung dieser Variante auf entsprechende Schwierigkeiten ein. Vom Negressima-Pfad sind folgende Abzweigungen bekannt:

Am Ende der Traverse südlich von Cantòi zweigt bei der ersten Kehre auf ca 890m der alte Pfad via Tecc del Frate, Gana Moda (P.1006), Monzello, Cassina di Rüsch und Mottone nach Albat ab. Moritz Vögeli beschreibt ihn hier detailliert. Dabei bleibt anzumerken, dass eine obligatorische Passage auf ca 1300m neuerdings etwas heikel ist (T5+/II+). Bei der letzten Kehre vor Scighignèra (P.1186) kann man nach Süden in den Wald hineingehen und trifft in Kürze auf die Ruinen eines grossen Stalles, der niemals auf den Landeskarten verzeichnet war. Von hier ist ein alter Pfad nach Negherina überliefert. Er dürfte verfallen sein, Details fehlen. Beim Gebäude P.1377 in Negressima mündet der bereits weiter oben beschriebene Pfad von Medéi und Premestì (P.1316) ein. Beim Haus mit der grossen Terrasse in Negressima nimmt der alte Pfad nach Negherina seinen Ausgang: Hier leicht absteigend zu einer Wegspur, die sich rasch verliert; im Gras hinauf zu einer umgestürzten Birke, wo der Weiterweg einsehbar wird. Ein weiterer Weg nach Negherina beginnt auf Höhe der Einmündung des Pfades von Raiada (dieser ist weiter oben beschrieben): Er ist wesentlich einfacher zu begehen, verliert sich aber zwischendurch einmal in einer Rutschung. Bei der Höhenkurve 1740m des Pfades Negressima - Alpe di Tongia mündet der noch gut erhaltene, und auch in der neuesten Ausgabe der Landeskarte verzeichnete Pfad von Negherina ein.

Negherina
Negherina, 12.Mai 2005
Foto: Moritz Vögeli

Negherina kann - neben den schon aufgezeigten alten Pfad von Alpe di Tongia, Negressima und Scighignèra (P.1186) auch von Mottone erreicht werden: Man verlässt Mottone am oberen Rand der Lichtung, und muss dann in einer horizontalen Traverse nach dem Pfadbeginn suchen. Alternativ folgt man ab der geschlossenen Jägerhütte eher unscheinbaren Schnittspuren etwas aufsteigend, bis man auf das ausgeprägtere Trassee trifft. In Kürze trifft man auf eine rote Wegmarkierung mit der Aufschrift "Neghierina" und einem Achtungszeichen. An dieser Stelle zweigt hart rechts der rot markierte Pfad nach Albat ab, der bei der Höhenkurve 1650m in den Weg Albat - Aldagana mündet; die auf der Landeskarte eingezeichnete Wegspur direkt nach Aldagana ist unüblich und verfallen, unter anderem passiert sie auf Treppenresten einen ausgesetzten Felssporn. Vom Achtungszeichen traversiert man waagrecht anhand der Markierungen in den Grund des vom Masnàn herabkommenden Tobels. Auf Trittspuren mit nunmehr nur noch sporadischen und recht verblassten Markierungen traversiert man aufsteigend sehr ausgesetzte Grasbänder (T5) bis nach Negherina. Gebietskennern sind auch alte Verbindungsrouten von Tecc del Frate und Monzello nach Negherina bekannt, das Gelände dürfte anspruchsvoll sein, Details fehlen.

Für die Zone oberhalb der Alpe di Tongia (Stabi Vecc, ca 1885m; Spiancri) gibt die Landeskarte die vorhandenen Pfade korrekt und vollständig wieder. Moritz Vögeli gibt hier weitere Hinweise. Anzumerken bleibt, dass die beiden in der Landeskarte eingezeichneten Pfade von der Alpe di Chierisgév zum guten Pfad von Spiancri nach der Alpe di Lago in bescheidenem Zustand sind und langsam von der Vegetation eingenommen werden. In der Nähe der Einmündung des nördlicheren Pfades (ca 1980m) befindet sich Ol Fontanon, eine stets fliessende Quelle, die das ganze Gebiet bis hinunter nach Nadro und Fracion mit Wasser versorgt. Die auf Chierisgév und in Compiett sichtbaren Schäden beruhen auf einem Unwetter vom 3./4.Oktober 2006. Die Zone von Chierisgév über Aldagana bis Albat gilt bei Gewittern als besonders gefährlich.

Cassina di Rüsch
Cassina di Rüsch (obere Bildmitte), 16.Juli 2005
Foto: Moritz Vögeli

Der recht gute Pfad von der Kapelle Santa Petronilla via Motta, Aldiréi und Val Scura nach Albat ist im Clubführer beschrieben. Die Abzweigung zum Monte Robart und zur Motta Bella ist nicht einfach zu finden: auf etwa 830m befindet sich zehn Meter rechts des Wegs ein kleiner Sprügh, hier beginnt ein oberer, leichter zu findender Weg zum Monte Robart; die untere, gelb markierte Abzweigung führt rasch in undurchdringliches Erlengebüsch. Von Albat führt ein schöner, unterhaltener Pfad als Höhenweg über Aldagana und Spiancri nach der Alpe di Lago. Auf die abzweigenden Pfade nach Mottone und das verwirrende Wegenetz rund um Alpe di Tongia und Alpe di Chierisgev wurde weiter oben schon eingegangen. In Aldagana zweigt am oberen Rand der Wiese ein anfänglich nicht gut erkennbarer Pfad ab, der eine Terrasse auf ca 1930m ersteigt, die auch auf Pfadresten vom Weg Alpe di Tongia - Aldagana nach dem Ausstieg aus dem grossen Tobel erreicht werden kann. Von hier führt eine feine Pfadspur, die bei hoher Vegetation nicht gut auszumachen ist, einige ausgesetzte Stellen passierend zum Sattel oberhalb der Cima di Stabbiello. Schwache Spuren setzen sich über einen weiteren Sattel am Fuss der Masnàn-Südflanke hinweg fort und erreichen eine nicht in den Karten verzeichnete Ruine, exakt südlich des Masnàn-Gipfels auf ca 1960m gelegen. Absteigend erreicht man den Beginn des recht guten Pfades der in Kürze zur Alpe d'Otri im Valle d'Osogna führt.

In Albat gibt es zwei Wege, die nach Alpe di basso führen: Der untere wird praktisch nicht mehr benutzt und ist in sehr schlechtem Zustand, der obere ist der übliche und gut unterhaltene Pfad. Auf gut halber Strecke dieses Pfades zweigt ein steiler, aber neu hergerichteter Weg ab, dessen Anfang jedoch nicht gut zu sehen ist. Er erreicht durch eine Rinne mit Treppe die Grathöhe zwischen P.1856 und der Cima di Stabbiello. Er setzt sich in ausgezeichneter Qualität zur nahen Alpe di Stabbiello fort, wo man sich bereits im Valle d'Osogna befindet. Über die Grathöhe selber führt eine Pfadspur auf den Gipfel der Cima di Stabbiello.

Von Osogna führt ein gepflegter Pfad durch eine ausgedehnte Gestrüpp-Zone nach Combra und weiter nach Piotella (wo es eine Abzweigung ins verwilderte Moncucco gibt). Auf dem in der Landeskarte eingezeichneten Pfad gelangt man zu den vielen Ruinen von Bonasca inmitten eines alten Kastanienwaldes. Nach den letzten Ruinen verliert sich der Pfad mehr und mehr. Man folgt orangen Markierungen neueren Datums. Dabei passiert man auch immer wieder Reste von Kunstbauten. Die in der Landeskarte eingezeichnete Ruine auf ca 1350m lässt man nördlich liegen und gelangt, u.a. eine Kletterstelle im II. Grad passierend, schliesslich auf die Cima di basso, P.1698, wo der untere verfallende Pfad Albat - Alpe di basso durchläuft. Wer hingegen den Abstecher zur Ruine bei ca 1350m unternimmt, nimmt dort den Anfang eines stark verfallenen und überwucherten Weges wahr, der die Felswand über der Ruine recht abenteuerlich überwindet und im darüberliegenden Buchenwald verschwindet. Anfänglich sind sehr verblasste rote Markierungen vorhanden, Ziel des Pfades ist unbekannt, möglicherweise Albat.

Wichtige Quelle zum Aufsuchen alter Wege sind die Erstausgaben und frühe Nachdrucke der Landeskarte 1:50'000, die Blätter 266 V. Leventina (1950) und 276 V. Verzasca (1951); die Kartographen müssen für dieses Gebiet über einen ausgezeichneten Informanten verfügt haben. Weniger ergiebig ist zu diesem Zweck die Monographie "Biasca und Val Pontirone" von Gotthard End, die 1922/1923 in den Jahrbüchern des SAC erschienen ist, die dafür Informationen zur Geschichte, Ökonomie und alpinistischer Erschliessung des Gebiets liefert.


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